Nachruf für Libor Seidl

von Bernd Blobel

Am 29. März 2021 ist unser unvergesslicher Freund und Kollege Libor Seidl, Präsident von HL7 Tschechien, im Alter von nur 43 Jahren an Covid-19 gestorben. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder, aber auch viele gute Freunde aus aller Welt, die alle diesen großen Verlust meistern müssen.

Nach dem Master-Abschluss in Physical Engineering (Electronic Engineering) an der Fakultät für Nuclear Sciences and Physical Engineering der Tschechischen Technischen Universität Prag im Jahre 2003 und einigen postgradualen Studien an dieser Einrichtung ging Libor 2006 an Jana Zvarovas EuroMISE Center. Neben einigen kurzen Intermezzos in der Industrie engagierte er sich 2009 parallel zu seiner EuroMISE-Anstellung als Junior Researcher am Institut für Computerwissenschaften der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. 2012 schloss sich Libor Seidl der 1. Medizinische Fakultät der Charles-Universität Prag an, bevor er 2015 zum Informatics Department des Tschechischen Gesundheitsministeriums wechselte. Er was the Gründer und Präsident von HL7 Tschechien und in dieser Position Mitglied des HL7 Europe’s European Strategic Advisory Board (ESAB) von seiner Etablierung im Jahre 2015 bis zu seinem Tod.

Ich hatte eine sehr spezielle und tiefe Beziehung zu Libor, auch durch meine enge Zusammenarbeit mit der unvergesslichen Jana Zvarova begründet. Ich traf Libor zuerst als Student und Teilnehmer meiner Seminare am Zvarovas EuroMISE Center, welches als Ergebnis des Gemeinsamen EU-Projektes „Ausbildung im Methodenfeld der Gesundheitsversorgung“ im Rahmen der europäischen TEMPUS Programms etabliert wurde. Meine persönlichen Treffen und Ausbildungsaktivitäten mit Libor haben 2004 eine engere Beziehung zu EFMI und HL7 bekommen, als ich zum Keynote Speaker und Lecturer für das “EuroMISE 2004 – EFMI Symposium on Electronic Health Record, Healthcare Registries and Telemedicine” und der “EuroMISE 2004, HL7 Roadshow” bestellt wurde. Schon bald nach Beginn meiner Lehre am EuroMISE Center im Jahre 2002 etablierten Jana und ich ein Programm zur gemeinsamen Ausbildung unserer Doktoranden am EuroMISE Center und in meinen Doktoranden-Kursen an der Fraunhofer Health Telematics Group in Erlangen und danach am eHealth Competence Center Regensburg. In diesem Zusammenhang diskutierten wir die Schaffung des multilingualen European Journal for Biomedical Informatics (EJBI), um unerfahrenen und/oder jungen Wissenschaftlern die Publikation der Ergebnisse ihrer Projekte und Studien mit spezieller inhaltlicher und redaktioneller Unterstützung zu ermöglichen. Beide Initiativen betrafen speziell auch Libor. Sein Eintritt in das EuroMISE Center im Jahre 2006 sowie seine Position als EJBI Sales and Marketing Manager bis zu seinem Ausscheiden aus der Organisation im Jahre 2011 bestärkte unsere Zusammenarbeit. Diese Kooperation betraf die Gründung von HL7 Tschechien im Jahre 2008 sowie die Vorbereitung und Durchführung vieler nationaler und internationaler Seminare, Tutorien, Workshops und Konferenzen. Die nächste Phase der Intensivierung unserer Beziehungen begann 2009, als Libor sich als Junior Researcher am Institut für Computerwissenschaften der Tschechischen Akademie der Wissenschaften einschrieb und sich dort mit der Anwendung internationaler Standards für die Interoperabilität von Systemen im Gesundheitswesen beschäftigte. Die Beziehungen wurden formalisiert, als Libor Doktorand an der 1. Medizinische Fakultät der Charles-Universität Prag, angestellt am Spin-Off Application Center der Fakultät, wurde. Sehr bald wurde er an mein International Interdisciplinary PhD and PostDoc College an der Universität Regensburg delegiert. Folglich wurde ich sein externer Doktorvater mit Jana als der erforderlichen lokalen Betreuerin. Inhalt seiner Promotionsarbeit war die Interoperabilität zwischen verschiedenen Kommunikationsstandards und anderen Systemspezifikationen durch Konzeptformalisierung und Konzept-Mapping. Dabei spielte die tschechische DASTA-Spezifikation (Datenaustauschstandard) und ihr Mapping mit HL7 durch Einsatz von Ontologien einschließlich der neuen SNOMED-Entwicklungen eine besondere Rolle. Höhepunkte unserer Zusammenarbeit waren die IHIC 2012 in Wien, als wir begannen, ausgewählte angenommene IHIC-Einreichungen im Open Access European Journal of Biomedical Informatics zu veröffentlichen, und die IHIC 2015 in Prag mit ihrem innovativen Tutorial Day. Unsere ausbildungsbezogene und wissenschaftliche Zusammenarbeit resultierte in einer Reihe gemeinsamer Publikationen. Libor bewies auch andere Talente und besaß ein Patent für das kontaktlose Monitoring von Vitalparametern an Patienten. Seine besondere Hingabe an seine Familie und die drei Kinder in Verbindung mit seiner neuen Anstellung im Ministerium zwangen Libor 2017, seine Promotionsarbeit einzustellen, ein Schritt, den Jana und ich zutiefst bedauerten. Nach Jana Zvarovas Tod agierte Libor als Tschechischer Repräsentant in EFMI bis ihm Lenka Lhotska 2020 in dieser Position folgte.

Ich werde Libor Seidl als außerordentlichen Freund mit großem Herzen, viel Liebenswürdigkeit und Vertrauen sowie besonderer Zuverlässigkeit nie vergessen. Ich drücke hiermit seiner Frau und der gesamten Familie, aber auch den Mitgliedern von HL7 Tschechien und der Tschechischen Gesellschaft für Biomedizintechnik und Medizinische Informatik mein tief empfundenes Beileid aus. Die HL7 Communities und auch EFMI werden Libor Seidl stets mit Zuneigung und Respekt gedenken.

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