Terminologien – medizinische Fachsprache für Computer nutzbar machen

Nur rudimentär werden einheitliche semantische Standards aus der medizinischen Fachsprache angewendet, die dem behandelnden Arzt einen schnellen und umfassenden Überblick über den Gesundheitszustand und z. B. die Arzneimittelhistorie des Patienten verschaffen. Auch ist es nur beschränkt möglich, zwischen 

  • Forschung, 
  • Versorgung und 
  • regulativem Sektor 

medizinische Daten auszutauschen und epidemiologische und gesundheitsökonomische Fragestellungen zu beantworten. 

Daher ist eine bundesweite Einigung über Benennungen und medizinische Terminologien notwendig. Durch eine vereinheitlichte medizinische Fachsprache wird die Interpretation, Weiterverarbeitung und Speicherung der Daten erst möglich. Eine Kommunikation der medizinischen Belange zwischen den Systemen ist sonst nur schwer möglich und kann schwerwiegende (Behandlungs-)Fehler erzeugen.

Abbildung Beispiel LOINC: der nummerische Code (hier 13942-8) fasst die einzelnen Bestandteile des LOINC-Systems zusammen: Der Name der Komponente oder der analysierten Substanz (Spermatozoen-Beweglichkeit), die untersuchten Eigenschaften (Arbitrary Concentration – Konzentration nach Ermessen), die Zeitangaben zu den Messungen (Messung zu einem Zeitpunkt), die Art der Probe (Sperma), der Skalentyp (ordinal) und die Untersuchungsmethode (Lichtmikroskop).

Wesentlich ist also neben den Technikstandards eine Einigung über die zum Einsatz kommenden medizinischen Terminologien und einheitliche Benennungen von Fachtermini und die damit einhergehende Pflege und Weiterentwicklung der Terminologien und dazugehörigen Strukturelemente.

Die einheitlichen Benennungen sollen gewährleisten, dass sich die unterschiedlichen IT-Komponenten nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich, semantisch, verstehen. Sie sind nichts weniger als der Schlüssel für einen effizienten Datenaustausch medizinischer Inhalte.

HL7 ist im Bereich der medizinischen Begriffssysteme seit vielen Jahren als koordinierendes Organ tätig und arbeitet z. B. zusammen mit der ISO an einer internationalen zentralen Arzneimittelterminologie sowie verschiedener weiterer Informationssysteme für medizinische Referenzdaten. 

Die Entwicklungen der IHTSDO, welche Snomed CT als Herausgeber verantwortet und des Regenstrief Instituts (LOINC/UCUM), werden seit Jahren beobachtet und mit HL7 harmonisiert. Einzelne Projekte zu Snomed CT sind bereits mit Unterstützung von HL7 durchgeführt worden.

HL7 unterstützt beispielsweise auf nationaler und internationaler Ebene, meist unter Einbeziehung der medizinischen Fachgesellschaften, dem DIMDI und der Selbstverwaltung, die Arbeiten an internationalen Standards und inhaltlichen Vorgaben zu:

  • Arzneimittelproduktkennungen
  • Arzneimittelsubstanzen
  • Arzneimittelstoffklassifizierungen (ATC)
  • Darreichungsform und Anwendungsart von Arzneimitteln
  • Diagnosen (z. B. ICD)
  • Onkologischen Diagnosen (ICD-O, TNM)
  • Prozeduren (OPS)
  • Laborwerten (z. B. LOINC) und Maßeinheiten (UCUM)
  • Medizinprodukten (UMDNS, GMDN, 11073)
  • Thesauri für das Wissensmanagement (Alpha-ID, MeSH)
  • Rehabilitation und Behinderung (ICF)